Ratgeber · Glossar

Nachfolge-Glossar: die Begriffe aus dem Verkaufsgespräch — klar erklärt.

Berater reden in Abkürzungen. Sie müssen die nicht können, aber Sie sollten sie verstehen, bevor Sie über Ihr Lebenswerk verhandeln. Hier stehen über 40 davon in normalem Deutsch.

Transaktion und Prozess

BegriffWas es bedeutetWarum es Sie betrifft
Share DealVerkauf der Aktien oder Stammanteile — die Gesellschaft bleibt dieselbeVerträge und Mandate laufen unverändert weiter; für Sie meist steuerlich der bessere Weg
Asset DealVerkauf einzelner Aktiven, Verträge und MandateJede Vertragsübertragung braucht die Zustimmung der Gegenpartei
LOI / AbsichtserklärungSchriftliche Einigung über die Eckpunkte vor dem KaufvertragTeilweise bindend — der wichtigste Meilenstein des Prozesses
Due DiligenceDie Prüfung des Betriebs durch den KäuferVier bis zwölf Wochen; Dauer hängt an Ihren Unterlagen
NDA / GeheimhaltungsvereinbarungVertrag über den vertraulichen Umgang mit Ihren ZahlenSteht vor jeder Zahl, die Ihr Haus verlässt
Signing / ClosingUnterzeichnung und späterer Vollzug der TransaktionZwischen beidem liegen oft Bedingungen wie Bankzusagen
ExklusivitätZusage, für eine bestimmte Zeit nur mit einer Gegenseite zu verhandelnBefristen — unbefristet ist immer zu Ihrem Nachteil
TeaserAnonymisierte Kurzbeschreibung Ihres Betriebs für potenzielle Käufer — ohne Namen, mit den EckzahlenIn einem kleinen Markt kann Sie selbst ein anonymer Teaser erkennbar machen
UnternehmensbörseOnline-Plattform, auf der Betriebe zum Verkauf ausgeschrieben werdenBringt Reichweite, kostet aber Diskretion: Ihr Inserat lesen auch Mitarbeitende, Kunden und Mitbewerber
DatenraumDie geordnete, vertrauliche Ablage aller Unterlagen, die der Käufer in der Due Diligence prüft — heute meist digitalWer ihn früh sauber aufbaut, verkürzt die Prüfung und signalisiert: Hier ist alles in Ordnung
MBO / Management BuyoutDie eigene Geschäftsleitung oder langjährige Mitarbeitende kaufen den BetriebOft die schonendste Übergabe für Kunden und Team — der Knackpunkt ist meist die Finanzierung durch die Käufer
MBI / Management Buy-inEine externe Führungsperson kauft den Betrieb und übernimmt die LeitungÖffnet den Käuferkreis, wenn intern niemand bereitsteht — verlangt eine sorgfältige Einführung ins Unternehmen

Preis und Bewertung

BegriffWas es bedeutetWarum es Sie betrifft
EBITDAErgebnis vor Zinsen, Steuern und AbschreibungenDie Basis, auf der Käufer rechnen
Normalisierung / BereinigungHerausrechnen von Sondereffekten und Ihrem Lohn, Einsetzen eines marktüblichen GeschäftsführerlohnsEntscheidet über mehr Franken als die Wahl der Bewertungsmethode
Bereinigtes ErgebnisDer Gewinn, den der Betrieb unter normalen Bedingungen erwirtschaftet — ohne Sondereffekte, mit marktüblichem GeschäftsführerlohnDie Bezugsgrösse für den Multiple; jede Bereinigung muss belegt sein, sonst streicht sie der Käufer
MultipleDer Faktor, mit dem das bereinigte Ergebnis multipliziert wirdFür Schweizer KMU grob im Bereich vier bis acht, je nach Struktur
ErtragswertBarwert des nachhaltig erzielbaren GewinnsDie aussagekräftigste Sicht bei Dienstleistungsbetrieben
SubstanzwertWert der Aktiven abzüglich SchuldenUntergrenze, selten der Verkaufspreis
GoodwillDer Firmenwert über der reinen Substanz: Kundenstamm, Ruf, eingespielte Abläufe, wiederkehrende UmsätzeGenau dafür zahlt ein Käufer den Aufpreis — ihn nachweisbar zu machen, ist Ihre wichtigste Vorbereitung
PraktikermethodeZweimal Ertragswert plus einmal Substanzwert, geteilt durch dreiSteuerlicher Standard nach Kreisschreiben 28 — nicht der Marktpreis
Earn-outKaufpreisteil, der von der künftigen Entwicklung abhängtÜberbrückt Preisdifferenzen, hält Sie aber im Risiko
VerkäuferdarlehenGestundeter Teil des KaufpreisesIhr Geld arbeitet im Betrieb weiter, den Sie abgegeben haben
Working Capital / KaufpreisanpassungMechanismus im Kaufvertrag, der den Preis an das bei Übergabe vorhandene Umlaufvermögen anpasst — Forderungen, Vorräte, flüssige MittelVerhindert, dass Sie Forderungen und Lager gratis mitgeben oder der Käufer eine leere Kasse übernimmt
KlumpenrisikoAbhängigkeit von einzelnen Kunden oder AuftraggebernEiner der stärksten Preisdrücker

Recht und Steuern

BegriffWas es bedeutetWarum es Sie betrifft
Privater KapitalgewinnGewinn aus dem Verkauf von Privatvermögen — grundsätzlich steuerfrei (DBG Art. 16 Abs. 3)Der Hauptgrund, warum Verkäufer den Share Deal bevorzugen
Indirekte TeilliquidationNachträgliche Besteuerung, wenn innert fünf Jahren nicht betriebsnotwendige Substanz ausgeschüttet wird (DBG Art. 20a Abs. 1 lit. a)Wird zur Falle, wenn der Käufer den Preis aus der Kasse der gekauften Firma zahlt
TransponierungVerkauf an eine selbst beherrschte Gesellschaft (DBG Art. 20a Abs. 1 lit. b)Betrifft Umstrukturierungen in die eigene Holding
LiquidationsgewinnbesteuerungMildere Besteuerung stiller Reserven bei Aufgabe nach dem 55. Altersjahr (DBG Art. 37b)Für Einzelfirmen oft der grösste Hebel auf den Nettoerlös
Zusicherungen / GewährleistungenAussagen des Verkäufers über den Zustand des BetriebsDafür haften Sie nach dem Verkauf — Formulierung gehört zum Anwalt
Garantien- und FreistellungskatalogDer Teil des Kaufvertrags, der festhält, für welche Zusagen und Altlasten Sie nach dem Verkauf einstehen — und wann der Käufer Sie von Ansprüchen freistelltBestimmt Ihr Restrisiko nach dem Closing; jede Formulierung gehört vor der Signierung geprüft
Konkurrenzverbot / Non-CompeteIhre vertragliche Zusage, nach dem Verkauf für eine begrenzte Zeit im selben Markt nicht tätig zu werdenFast jeder Käufer verlangt es — Dauer, Gebiet und Umfang sind Verhandlungssache
HandänderungDer Eigentumswechsel an einer Liegenschaft — braucht die öffentliche Beurkundung und den Eintrag im GrundbuchBei Geschäftsliegenschaften ein eigener Prozessschritt mit eigenen Fristen, Kosten und Steuern
GrundstückgewinnsteuerKantonale Steuer auf den Gewinn aus dem Verkauf von GrundeigentumTrifft Sie, wenn zum Betrieb Liegenschaften gehören — Höhe und Berechnung unterscheiden sich je nach Kanton deutlich
VorkaufsrechtDas Recht eines Dritten, eine Liegenschaft oder Anteile zu den ausgehandelten Bedingungen selbst zu übernehmen — gesetzlich oder vertraglichMuss vor dem Verkauf geprüft werden; ein übersehenes Vorkaufsrecht kann eine ganze Transaktion gefährden
BetriebsübergangÜbertragung des Betriebs auf einen neuen Rechtsträger; Arbeitsverhältnisse gehen über, sofern Mitarbeitende nicht ablehnen (OR Art. 333)Die Antwort auf «verliere ich meinen Job», bevor sie gestellt wird
AktionärbindungsvertragVereinbarung zwischen Gesellschaftern über Rechte, Pflichten und VerkaufsfälleUnverzichtbar, sobald mehrere Personen beteiligt sind

Übergabe und Markt

BegriffWas es bedeutetWarum es Sie betrifft
NachfolgeregelungDer Gesamtprozess von der Entscheidung über die Suche bis zur vollständigen Übergabe von Eigentum und FührungBeginnt idealerweise Jahre vor dem Ausstieg — je später der Start, desto kleiner die Auswahl an Wegen
ÜbergabeperiodeDie vereinbarte Zeit nach dem Kauf, in der Sie den Nachfolger einführen und Kunden- wie Mandatsbeziehungen übertragenKlar geregelt schützt sie beide Seiten: Sie wissen, wann Sie frei sind — der Käufer, wie lange er auf Sie zählen kann
Beteiligung / MinderheitsbeteiligungDer Käufer übernimmt zunächst nur einen Teil der Anteile; Sie bleiben Gesellschafter und oft operativ aktivEin Zwischenschritt für alle, die Verantwortung abgeben, aber den Betrieb noch nicht ganz loslassen wollen
BewirtschaftungshonorarDas laufende Honorar, das eine Hausverwaltung pro verwalteter Liegenschaft oder Einheit erhältDer wertbestimmende Umsatz einer Verwaltung — Höhe, Durchsetzung und Vertragslage entscheiden über den Preis
Stockwerkeigentum-Mandat (STWEG)Der Verwaltungsauftrag einer Stockwerkeigentümergemeinschaft, vergeben durch deren VersammlungMandate hängen an Personen und Vertrauen — ihre Übertragbarkeit auf den Käufer ist die Kernfrage jeder Verwaltungsübergabe
Nachfolgestudie (UBS / CFB-HSG 2026)Die gemeinsame Studie zur Unternehmensnachfolge in der SchweizIhre Kennzahlen — 168'000 KMU stehen bis Ende 2030 vor der Übergabe, rund 59'000 dürften scheitern — zeigen, warum frühe Vorbereitung zählt

Fragen aus Verkaufsgesprächen

Muss ich alle diese Begriffe verstehen, bevor ich verkaufe?

Nein. Verstehen müssen Sie vor allem die Begriffe, die Ihren Preis und Ihr Restrisiko betreffen: bereinigtes Ergebnis, Multiple, Garantien und Freistellungen. Für alles andere reicht es, zu erkennen, wann Sie eine Rückfrage stellen sollten — und die Antwort von einer unabhängigen Stelle prüfen zu lassen.

Was ist für mich als Verkäufer der Unterschied zwischen Share Deal und Asset Deal?

Beim Share Deal verkaufen Sie die Gesellschaft als Ganzes: Verträge, Mandate und Mitarbeitende bleiben unverändert, und der Verkaufsgewinn aus Privatvermögen ist grundsätzlich steuerfrei. Beim Asset Deal wechselt jeder Vertrag einzeln und braucht die Zustimmung der Gegenpartei. Welcher Weg für Sie besser ist, hängt von Ihrer Gesellschaftsform und Steuersituation ab — das klären Sie vor dem ersten Angebot mit Ihrem Treuhänder.

Warum verlangt ein Käufer ein Konkurrenzverbot von mir?

Er kauft Ihren Kundenstamm und Ihren Ruf — beides verliert an Wert, wenn Sie kurz nach dem Verkauf gegen ihn antreten. Üblich sind Vereinbarungen mit begrenzter Dauer und klar definiertem Gebiet. Was davon zumutbar ist, prüfen Sie am besten, bevor Sie die Absichtserklärung unterschreiben.

Geschrieben von

Adin Ikanovic

Geschäftsführer der THETA Holding AG, Schindellegi SZ

Er kauft Betriebe oder beteiligt sich an ihnen — und spricht dabei jede Woche mit Inhabern, die vor derselben Frage stehen wie Sie: Was ist mein Betrieb wert, und wer führt ihn weiter? Dieser Ratgeber kommt aus genau diesen Gesprächen, nicht aus der Theorie.

Mehr über Adin Ikanovic und die THETA Holding →

Nächster Schritt

Begriffe klären ist einfach. Die Entscheidung nicht.

Im Erstgespräch reden wir ohne Abkürzungen darüber, was für Ihren Betrieb realistisch ist.

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